
Dr. Christian Anner: Eine Lebensgeschichte zwischen Pferdesport, Bühne und Leadership
Manche Wege entstehen aus einer Leidenschaft, andere aus einer Begegnung.
Im Fall von pferdeseminare.ch begann alles mit einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte – zwischen Pferdesport, Bühne und Unternehmertum.
Urs, als Initiator der pferdegestützten Seminare kam schon früh mit unterschiedlichen Welten in Berührung: Schauspieler mit zwölf – als Sohn von Wilhelm Tell – und später als Skijöringfahrer im Film Der Zauberberg nach Thomas Mann an der Seite von Charles Aznavour.
Doch seine eigentliche Berufung entwickelte sich rund um Potenzialentfaltung für Mensch und Pferd.
Doch, fragen wir ihn selbst, wie begann deine Verbindung zum Pferdesport?
Pferde haben mich schon mit zwölf in den Tell-Freilichtspielen fasziniert. Mit meiner ersten Gage konnte ich mir fünfzehn Reitstunden leisten; später, mit 16 Jahren durfte ich bei den Schweizer Junioren-Springen mitmachen. Da ich damals keine eigenen Pferde auf diesem Niveau hatte, musste ich kreativ werden und andere Wege finden, meiner Begeisterung nachzugehen.
Parallel zu meiner Banklehre begleitete ich in den 1980er-Jahren unter anderem das Showpferd Sunny Boy an den renommierten CSIO Genf. Wir trainierten auch in Interlaken im Barbarella des Victoria-Jungfrau-Hotels für spätere Auftritte, etwa im Radio Club Macumba in St. Julien. Mit Sunny Boy konnte ich die nationale Dressurlizenz erlangen, während mein Pferd für kurze Zeit ausfiel.
Was hat dich besonders geprägt?
Mein Umfeld, der Einstieg in die Personalsuche und -entwicklung, die spätere Gründung der CTS und das zunehmende Interesse an der «Vielseitigkeitsreiterei». Die Turniere liefen über die vier Disziplinen Dressur, Steeple, Cross und Springen, die Vertrauen, Präzision und Verantwortung verbinden. So konnte meine Stute Madyken, die ich von Anfang an selbst ausgebildet hatte, das erste Equissima in Lausanne gewinnen.
Aus dem Wunsch heraus, Geländeprüfungen wirklich zu verstehen, absolvierte ich deshalb auch die Ausbildung zum Crossbauer. Auf dieser Grundlage entwickelte ich in den 1990er-Jahren meine ein- und zweiwöchigen Trainingscamps weiter. Aus den Trainings an verschiedenen Turnierplätzen entstanden Beziehungen, aus denen vertrauensvolle Kunden ausserhalb der Pferdeszene gewachsen sind.
Von besonderer Bedeutung waren auch Mentoren wie John Roche, Paul Weier, Fredy Knie sen. oder Monty Roberts in Solvang CAL.
Du hast dich auch für den Pferdesport engagiert.
Ja, über viele Jahre durfte ich als Präsident des Reitvereins Bern wirken, der unter anderem für die Berner Pferdesporttage im Nationalen Pferdezentrum bekannt war. Für mich war das eine Möglichkeit, etwas von der Unterstützung zurückzugeben, die ich selbst als Juniorenreiter erfahren durfte.
Wie entstand die Idee der pferdegestützten Leadership-Seminare?
Ein wichtiger Impuls kam bestimmt aus meiner Zusammenarbeit mit dem Regisseur Paul Roland. Dabei lernte ich früh, wie stark Präsenz, Haltung und nonverbale Kommunikation wirken – besonders vor grossem Publikum.
Gleichzeitig erfuhr ich von vielen sogenannten Problempferden. Dabei wurde mir immer klarer, dass die Ursachen häufig weniger beim Pferd liegen als bei Fragen von Führung, Klarheit und Kommunikation des Reiters. So entstand 1996 mein erstes Leadership-Konzept, bei dem Pferde als Spiegel für Führung, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt werden.
Was macht Pferde zu besonderen Trainern?
Pferde reagieren unmittelbar auf Authentizität. Sie lassen sich nicht von Worten überzeugen, sondern reagieren auf Haltung, Klarheit und innere Präsenz. Während ihre besondere Stärke in ihrer Wahrnehmungskompetenz liegen, fokussieren sich unsere Seminare auf das Erfahrungslernen: Menschen behalten rund 90 % von dem, was sie selbst tun – während Lesen etwa 10 %, Hören rund 20 % und Sehen etwa 30 % zum Lernen beitragen. In der direkten Arbeit mit Pferden wird Führung, Kommunikation und Präsenz unmittelbar erlebbar. Und die gemeinsamen Erlebnisse sorgen für die Entstehung eines neuen Teamspirits.
Welche Rolle spielt der Ort für deine Seminare?
Wir legen grossen Wert auf eine ruhige Umgebung ohne Zuschauer, damit eine konzentrierte Arbeit mit den Pferden möglich wird. Neben unserem eigenen Standort arbeiten wir heute auch auf befreundeten Anlagen, die alle diese Kriterien erfüllen.


